Düsseldorf

    Verkehrswende in der Landeshauptstadt Düsseldorf

    Verkehrswende in der Landeshauptstadt Düsseldorf

    Die Verkehrswende geht nur mit Mut und Vernetzung - ver.di bringt Wirtschaft, Politik und Bürger*innen in Düsseldorf zusammen.

    Verkehrswende in der Landeshauptstadt Düsseldorf - Veranstaltung am 7.5.2019 Jörg Junkermann Stefan Wittstock

    Die Zukunft der Mobilität ist zentrales Handlungsfeld, in dem viele Akteure mit unterschiedlichen Interessen taktieren. Der ver.di-Ortsverein Düsseldorf hat die Anforderungen der Bürger*innen und Beschäftigte in Düsseldorf in den Mittelpunkt einer Veranstaltung am 7. Mai gesetzt. Dazu waren namhafte Persönlichkeiten eingeladen.

    Stefan Wittstock, ehrenamtlicher Vorsitzender im ver.di Bezirk Düssel-Rhein-Wupper sowie des Ortsvereins Düsseldorf, hat die Veranstaltung eröffnet und wies auf die Komplexität und das dringende Erfordernis einer zügigen Verkehrswende hin. Doro Blome-Müller moderierte die Veranstaltung, die im ersten Teil spannende Impulsvorträge bot.

    Verkehrswende in der Landeshauptstadt Düsseldorf - Veranstaltung am 7.5.2019 Jörg Junkermann Sylvia Lier

    Sylvia Lier, die neue Kaufmännische Vorständin im Düsseldorfer Verkehrsunternehmen Rheinbahn, spannte in ihrem Vortrag „Verkehrspolitik vernetzt denken“ den Bogen rund um die vielfältigen Herausforderungen des Herzstücks der innerstädtischen Mobilität - dem Verkehrsunternehmen Rheinbahn AG -  zu Entwicklungen in Dresden, Madrid und London bis hin zu Bogota - hier mit einem Zitat von Bürgermeister Enrique Peñalosa zum Reichtum einer Stadt durch Mobilität. Sylvia Lier warb dafür mutig zu sein und neue Dinge auszuprobieren. Die Dimension der Pendler*innen in Düsseldorf: 300.000 fahren täglich rein und 100.000 Bürger*innen raus. Jede*r Düsseldorfer*in steht zudem 100 Stunden im Jahr im Stau. Diese Zahlen machen die Herausforderungen für Verkehrsunternehmen und Kommunalverwaltung deutlich. Die Rheinbahn arbeitet mit Hochdruck an diesen Herausforderungen.

    Verkehrswende in der Landeshauptstadt Düsseldorf - Veranstaltung am 7.5.2019 Jörg Junkermann Dr. Udo Brockmeier

    Dr. Udo Brockmeier, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Düsseldorf AG, erläuterte wie der Ausbau der Stromtankstellen in Düsseldorf bedarfsgerecht mit der Entwicklung von Bewegungsmustern ermittelt wurde. Mit 211 Stromtankstellen in der Stadt – weit überwiegend durch die Stadtwerke errichtet - verfügt Düsseldorf über das größte Angebot in NRW. Innerhalb dieses Entwicklungsprozesses wurde auch der Eddy geboren. Die Anzahl der Roller soll deutlich ausgebaut werden und die Entwicklung geht weiter – Dr. Brockmeier macht neugierig auf Eddy mit 4 Rädern. Er spricht zudem Wasserstoff als Mobilitätsinstrument der Zukunft an. Die „Düsselschmiede“ beschreibt er im Entstehungsprozess mit 5 Düsseldorfer Unternehmen. Hier sollen sich beispielsweise in Kürze über eine Plattformlösung Fahrgemeinschaften einfacher bilden lassen und die 10.000 Beschäftigten der Unternehmen aus der „Düsselschmiede“ vernetzen. Die so verbundenen Firmen sind in vielfältigen Mobilitätsaspekten interessiert.

    Verkehrswende in der Landeshauptstadt Düsseldorf - Veranstaltung am 7.5.2019 Jörg Junkermann Peter Büddicker

    Peter Büddicker, ver.di Landesfachbereichsleiter Verkehr, schilderte die Anforderungen an die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten. Mit einem Blick in die nahe Vergangenheit führte er die schmerzlichen Restrukturierungsmaßnahmen für die Kolleg*innen seit Öffnung der Märkte 1996 vor Augen und macht deutlich, dass es dringend erforderlich ist, Arbeits- und Einkommensbedingungen deutlich zu verbessern. Die demographische Entwicklung stärkt den Handlungsdruck: nahezu 40% der Beschäftigten sind über 50 Jahre alt. Peter Büddicker machte klar, dass die tarifvertraglichen Herausforderungen angegangen werden. Dabei steht für die Beschäftigten, wegen der hohen Produktivität durch Arbeitsverdichtung, Entlastung ganz oben. Auch bedürfe es Verbesserung für Neueingestellte, um neue Beschäftigte zu gewinnen. Der Tarifvertrag Nahverkehr ist zur Gewinnung von zusätzlichem Personal attraktiv aufzustellen. Wertschätzung stellte er als eines der wichtigsten Führungsinstrumente heraus.

    Verkehrswende in der Landeshauptstadt Düsseldorf - Veranstaltung am 7.5.2019 Jörg Junkermann Verkehrswende in der Landeshauptstadt Düsseldorf

    In der nachfolgenden Diskussionsrunde im Podium mit Klaus Klar (Vorstandsvorsitzender Rheinbahn AG), Martin Volkenrath (Vorsitzender Ordnungs- und Verkehrsausschusses, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Ratsfraktion), Andreas Hartnigk (Vorsitzender Verkehrswacht Düsseldorf e.V, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU-Ratsfraktion)Norbert Czerwinski (Sprecher der GRÜNEN Ratsfraktion, Verkehrspolitischer Sprecher), Volker Wente (Landesgeschäftsführer Verband Deutscher Verkehrsunternehmen NRW e.V.) sowie Dirk Seibel (ver.di Gewerkschaftssekretär Verkehr) folge die breite Diskussion mit dem mit dem Publikum:

    Im Spannungsfeld zwischen öffentlicher Daseinsvorsorge und reiner Profitmaximierung gab es eine facettenreiche Debatte. Es gibt zweifellos einen „Kampf um den öffentlichen Raum“, in dem absoluter Vorrang für den ÖPNV einzuräumen ist. Aber auch fehlende Barrierefreiheit, Preispolitik und Achtsamkeit auf sich verselbständigende Entwicklungen waren wesentliche Themen.

    Verkehrswende in der Landeshauptstadt Düsseldorf - Veranstaltung am 7.5.2019 Jörg Junkermann Verkehrswende in der Landeshauptstadt Düsseldorf

    Eine deutlich stärkere Steuerung wird auch angemahnt, denn allein auf Freiwilligkeit zu setzen sei zu wenig, weil Politik und Wirtschaft den Klimapolitischen Zielen nicht nachkommen. Auch die Kosten für Parkraum werden angesprochen. Kein Zuspruch fand die aktuell seitens Andreas Hartnigk geäußerte Idee, Parkgebühren für Fahrräder zu erheben.

    Die sehr positiven Ansätze jenseits der Verpflichtung, Innovation zur Förderung von Mobilität wurden gewürdigt. Dazu zählt die Umsetzung der Qualitätsoffensive der Rheinbahn, die Umweltspur und die Umsetzung des Maßnahmenpaketes für ein Radhauptnetz mit einer stadtweiten durchgehenden Verbindung.

    Es gilt den ÖPNV zu stärken! Das Verkehrsunternehmen Rheinbahn ist der Garant für eine starken ÖPNV in der Landeshauptstadt und in der Region. Und wir müssen achtsam sein, dass der Privatisierung des ÖPNVs nicht Vorschub geleistet wird.

    Stephanie Peifer

    Die ver.di Ziele bei der Verkehrswende fasste Stephanie Peifer, Geschäftsführerin des ver.di Bezirks zusammen: Runter mit Feinstaub und schädlichen, unsere Umwelt belastenden Gasen und Lärm. Zudem müsse der Umstieg auf den ÖPNV so attraktiv werden, dass es zum Bedürfnis wird in Bus und Bahn umzusteigen sowie in Kombination zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Eddy – zügig und komfortabel zur Arbeit, zum Sport, zu den Freunden zu kommen.  

    „Es gilt den ÖPNV zu stärken! Das Verkehrsunternehmen Rheinbahn ist der Garant für eine starken ÖPNV in der Landeshauptstadt und in der Region. Und wir müssen achtsam sein, dass der Privatisierung des ÖPNVs nicht Vorschub geleistet wird.“  Niemand wolle amerikanische Verhältnisse, wo Mama und Papa ihre Kinder nonstop kutschieren müssen, weil dort nichts außer dem Schulbus und ein UBER Taxi fährt. Wir wollen, dass Düsseldorf weniger als „Autostadt – Weltmeister“ glänzt. Die Landeshauptstadt soll sich zur Vorzeigestadt für bürgerfreundliche und damit innovativ vernetzte Mobilität entwickeln. Wir wollen, dass Düsseldorf die sauberste Stadt mit dem besten ÖPNV Angebot und dem besten Radwegenetz wird.“

    Vor allem hob Stephanie Peifer heraus, dass bei allen notwendigen Prozessen die Verkehrswende für die Menschen gestaltet werden muss. Zu verhindern sei, dass bei Sammlung von Daten der gläserne Mensch Ergebnis ist.

    Wesentliches Ziel ist für ver.di, das die Arbeitsplätze in der Stadt attraktiv bleiben und  ohne Umweltbelastung verkehrsgünstig zugänglich sind. Der öffentliche Personennahverkehr, das Radwegenetz, die Zugänglichkeit für den Fußgänger ist zu vernetzen.

    ver.di fordert Mut von der Politik, die Verkehrswende auch tatsächlich voranzutreiben und bei der Bildung einer Gesellschaft zur Vernetzung der Mobilitätsangebote auch alle Akteure einzubinden.