Tagungen und Konferenzen

    Nachhaltige Personalpolitik in der Praxis

    Tagungsdokumentation

    Nachhaltige Personalpolitik in der Praxis

    Am 25. September 2018 fand in Düsseldorf eine Tagung in Kooperation der Hans-Böckler-Stifung mit dem ver.di-Bezirk Düssel-Rhein-Wupper statt.

    Den Shareholder-Value bedienen viele Geschäftsführungen und Vorstände. So sind deren Vergütungssysteme auch angelegt. Welchen Stellenwert wird aber Personalpolitik beigemessen? Müssten in Zeiten des demographischen Wandels, der sich bereits abzeichnenden Digitalisierung und infolge neuer Erwartungen an die Arbeitsgestaltung der Zukunft nicht auch variable Vergütungsbestandteile der Firmenlenker hier einen Schwerpunkt enthalten?

    Tagung "Nachhaltige Personalpolitik in der Praxis" Jörg Junkermann Norbert Kluge

    Die Tagung wurde durch Norbert Kluge, Direktor des Institutes für Mitbestimmung und Unternehmensführung der Hans-Böckler-Stiftung, eröffnet. Er verweist darauf, dass der thematische Fokus dieser Tagung genau die Diskussion wiederspiegelt, die unter anderem auch Mitglieder der Regierungskommission zum Deutschen Corporate Governance Kodex beschäftigt. Er dankt dem regionalen Verkehrsunternehmen Rheinbahn AG als innovativer Kombinierer beider Themen und verdeutlicht, dass die Betriebswirklichkeit auf viele Fragen schon Antworten bereit hat, weil die Mitbestimmungsakteure und Arbeitsdirektoren bereits hervorragend zusammenarbeiten. Jetzt Bedarf es nur noch der Bekanntmachung, wozu diese (erste) Veranstaltung dienen soll. Getreu dem Motto, tue Gutes und Sprich darüber.

    Tagung "Nachhaltige Personalpolitik in der Praxis" Jörg Junkermann Christine Behle

    Christine Behle, Bundesvorstandsmitglied ver.di, beschreibt in einem anschließenden Referat anschaulich den rasanten Wandel von Technik und Arbeitswelt und die damit einhergehenden Herausforderungen für ver.di. Sie verdeutlicht eindrucksvoll das Spannungsfeld, mit dem sich Betriebsräte und Aufsichtsräte bei der Digitalisierung in den Dienstleistungsbranchen konfrontiert sehen. Zwar nimmt sich die Gewerkschaft ver.di durch vielfältige offensive Gestaltung, ob im Kerngeschäft der Tarifpolitik oder durch Begleitung der betrieblichen Mitbestimmung, den Herausforderung an, doch müssen alle darauf achten, dass die Digitalisierungsgewinne bei den Beschäftigten ankommen. Dies gilt auch für Lösungen hinsichtlich der Arbeitsbedingungen und Arbeitszeit. Zudem muss der fortschreitenden Entgrenzung der Arbeit und die Überwindung von Disqualifizierung von Beschäftigtengruppen entgegen gewirkt werden.
    Beitrag von Christine Behle

    Tagung "Nachhaltige Personalpolitik in der Praxis" Jörg Junkermann Alexander Frevel

    Die Überschrift „Haus der Arbeitsfähigkeit – ja, zum Mitarbeiter“ war Programm im Vortrag von Alexander Frevel, Beratung zur Arbeitsfähigkeit im demografischen Wandel, Hamburg. Er beschrieb die Methode und die Intention dieses Ansatzes. Sprachlich gekonnt platziert er fesselnd die Kernbotschaften, die Arbeitsfähigkeit gerade nicht nur als Abwesenheit von Krankheit zu verstehen. Es geht um einen Ansatz, den Menschen in ihrem / seinen Arbeitsumfeld ganzheitlich wahrzunehmen. Die Summe der Bereiche Gesundheit, Kompetenzen, Werte und Arbeit macht die Arbeitsfähigkeit aus. Es braucht – so im Bild vom Haus der Arbeitsfähigkeit – ein stabiles Fundament und stabile Stockwerke, die erlauben, mit persönlichen und organisatorischen Ressourcen die Anforderungen der Arbeit langfristig erfüllen zu können. In Finnland bereits seit 30 Jahren erprobt, zeigt er auf, wo Handlungsfelder für Unternehmen bestehen, welche Herausforderungen sie sich stellen sollten, welche Chancen sie ergreifen können und – das wichtigste – dass das Haus der Arbeitsfähigkeit kein Projekt, sondern ein fortwährender Prozess ist.
    Vortrag von Alexander Frevel

    Tagung "Nachhaltige Personalpolitik in der Praxis" Jörg Junkermann Viktoria Fromme

    Die Rheinbahn AG hat den Mut gefunden am eigenen „Puls zu fühlen“. Viktoria Fromme, Nachhaltigkeitsbeauftragte der Rheinbahn AG, stellte eindrucksvoll dar, wie das Haus der Arbeitsfähigkeit bei dem Düsseldorfer Verkehrsunternehmen Einzug erhalten hat und warum Arbeitsfähigkeit für die Rheinbahn AG ein wichtiges Thema darstellt. Seit 2015 sind zwei Befragungsrunden erfolgt, die klar zeigen, dass ein lohnender Prozess angestoßen wurde. Fünf Maßnahmen wurden bereits umgesetzt, weitere sechs befinden sich in der Realisierung. Zentrale Themen wären zudem Wertschätzung und gute Führung. Sie verdeutlichte, dass die Arbeit der Verantwortungsgruppe, deshalb so gut funktionieren würde, weil sie als Gruppe nicht nur arbeiten wollen, sondern auch können und dürfen. Ein wichtiger Dreiklang, der hilft, dass gefundene Maßnahmen auch tatsächlich realisiert werden.
    Präsentation von Viktoria Fromme

    Tagung "Nachhaltige Personalpolitik in der Praxis" Jörg Junkermann Klaus Klar

    Betriebswirtschaftliche Kenngrößen sind mächtige Faktoren, die ein Unternehmen stabil halten, wachsen lassen und vor dem Ruin schützen sollen. Jedoch sind Investitionen in die Arbeitsfähigkeit der Belegschaft mindestens genauso wichtig wie die Investitionen in Maschinen. Dieser Meinung ist auch Klaus Klar, Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor der Rheinbahn AG. Klaus Klar schilderte wie er vom Haus der Arbeitsfähigkeit durch einen damaligen Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Rheinbahn, erfahren hat. Die Unterlagen habe er zunächst in eine Schublade getan. Heute, fünf Jahre später und nach intensiver Arbeit, Mut und Durchhaltevermögen resümiert Klaus Klar stolz: „Wir stehen jetzt am Beginn des Veränderungsprozesses. Es hat sich gelohnt. Für den gesamten Bereich des Fahrdienstes und der Verwaltung gibt es echte Verbesserungen.“ Er schildert authentisch, wie die Maßnahmen, die die Verantwortungsgruppe des Hauses der Arbeitsfähigkeit entwickelt haben, Wirkung zeigen. Mehrmals betont er, dass es gut war die Unterlagen aus der Schublade wieder raus geholt zu haben. Dass Klaus Klar aber auch mutig ist und sich selbst gerne mitverantwortet, hat er bewiesen, in dem er die Umsetzung mit seiner eigenen variablen Vorstandsvergütung verknüpft hat. Das hat, so Klar, nicht überall auf Verständnis gestoßen. Manche Vorstandskollegen aus anderen Unternehmen hätten dies nicht glauben wollen. Klaus Klar steht dazu und benennt deutlich, dass der Erfolg dieser Methode und die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens auch mit dem Mut der Führungsspitze einhergehen, wofür er großen Zuspruch erhalten hat.
    Präsentation von Klaus Klar

    Tagung "Nachhaltige Personalpolitik in der Praxis" Jörg Junkermann Stephanie Peifer

    Zum Abschluss fasste Stephanie Peifer, ver.di Geschäftsführerin Düssel-Rhein-Wupper, den Tag zusammen. Fakt sei: Ohne motivierte und arbeitsfähige Beschäftigte wird es auch keinen nachhaltigen Erfolg geben. Gerade in Zeiten des digitalen und demographischen Wandels. Eine Erkenntnis, so Peifer, die bei Vorständen und Geschäftsführungen leider zurzeit noch sehr bruchstückhaft vorhanden sei. Sie appellierte, dass die Mitbestimmung, Betriebsräte wie Aufsichtsräte, ihre Aufgaben verstärkt wahrnehmen müssen. Beide Akteursgruppen seien mit in der Verantwortung die Arbeitsfähigkeit im Unternehmen zum Thema machen und dafür zu sensibilisieren, den Beschäftigten ganzheitlich in den Mittelpunkt zu stellen. Die Aufsichtsräte müssten zudem dazu beitragen, dass ein Teil der variablen Vergütung genau hiermit verknüpft werde. So, wie es bei der Rheinbahn AG erfolgt ist. Denn es war richtig, dass die Arbeitnehmervertreter*innen im Aufsichtsrat der Rheinbahn AG bei der Neujustierung der Vorstandsvergütung darauf gedrängt haben, dass die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit das gleiche Gewicht wie das wirtschaftliche Ergebnis und die Anzahl der verkauften Fahrtickets erhalten hat. Stephanie Peifer gratulierte allen Beteiligten zu dieser Entschlossenheit. Sie forderte alle in ihrem Schlusswort auf, ins „tun“ zu kommen und neues zu wagen.
    Anschließend bat sie die Teilnehmenden dem Plakat, auf dem die die Ergebnisse der Konferenz grafisch festgehalten wurden, Aufmerksamkeit zu schenken.

    Tagung "Nachhaltige Personalpolitik in der Praxis" Jörg Junkermann Tagung "Nachhaltige Personalpolitik in der Praxis"

     
    Text: Marion Weckes (Hans Böckler Stiftung)