Tarifrunde ÖD der Länder 2019

    Abschluss Tarifverhandlungen öffentlicher Dienst der Länder

    Abschluss Tarifverhandlungen öffentlicher Dienst der Länder

     Das ist spektakulär

    „200 Euro sollten es mindestens mehr sein.“ Kristina Prast, OP-Schwester vom Uni-Klinikum Jena und seit neun Jahren freigestelltes Personalratsmitglied, war realistisch, bevor die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder begonnen haben, und die Pflegekräfte zusätzlich 300 Euro auf den generellen Lohnabschluss gefordert hatten. Nachdem nahezu drei Tage lang in der dritten Verhandlungsrunde Anfang März gar das Scheitern der Tarifrunde nicht ausgeschlossen war, ist sie jetzt begeistert. „Daumen hoch für die Pflege!“, ist ihr erster Kommentar, als das Ergebnis nach einem langen Tag des Wartens am späten Abend des 2. März’ endlich auf dem Tisch liegt. Examinierte Pflegekräfte werden rückwirkend zum 1. Januar 2019 bis zu 380 Euro brutto mehr im Monat erhalten. „Das ist mehr, als wir erwartet haben“, sagt Kristina Prast, auch wenn jetzt alles noch genau für alle Entgeltgruppen nachgerechnet werden muss.

    „Wer von uns hat das schon mal erlebt, dass eine Kollegin oder ein Kollege mit einer dreijährigen Ausbildung 380 Euro auf einen Schlag im Monat mehr erhält. Das ist spektakulär.“

    Frank Bsirske, ver.di-Vorsitzender

    Auch der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske ist nach 37 zähen Stunden Verhandlung mehr als zufrieden. „Wer von uns hat das schon mal erlebt, dass eine Kollegin oder ein Kollege mit einer dreijährigen Ausbildung 380 Euro auf einen Schlag im Monat mehr erhält. Das ist spektakulär.“

    Tatsächlich erhalten die Beschäftigten der Länder insgesamt Lohnerhöhungen in Höhe von 8 Prozent, mindestens 240 Euro mehr Geld in drei Schritten bei einer Laufzeit von insgesamt 33 Monaten. In den letzten 20 Jahren hätte es kein Ergebnis gegeben mit einer derartigen sozialen Komponente, so der ver.di-Vorsitzende.

    Das Ergebnis im Detail:

    • Rückwirkend zum 1. Januar 2019 wird es eine Lohnerhöhung von 3,2 Prozent mit mindestens 100 Euro geben
    • zum 1. Januar 2020 weitere 3,2 Prozent mit mindestens 90 Euro
    • und zum 1. Januar 2021 noch einmal 1,4 Prozent mit mindestens 50 Euro
    • Für die Auszubildenden steigen die Vergütungen insgesamt um 100 Euro in zwei Schritten von 50 Euro, rückwirkend zum 1. Januar 2019 und zum 1. Januar 2020.
    • Wie auch schon beim Abschluss mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) erhalten sie zudem einen zusätzlichen Urlaubstag und werden nun auch 30 Urlaubstage haben.

    Und auch das wurde vereinbart: In allen 15 Entgeltgruppen im Landesdienst sollen die Einstiegsgehälter in den Eingangsstufen für Neueinsteiger aufgewertet werden. Diese Aufwertung beträgt im Volumen rund 11 Prozent und erfolgt in zwei Schritten zum 1. Januar 2020 sowie zum 1. Oktober 2020.

    Aufwertung wichtiger Entwicklungsschritt

    Roland Wegener, der Personalratsvorsitzende der Behörde für Gesundheits- und Verbraucherschutz Hamburg sagte im Verlauf des dritten Verhandlungstages: „Die Verhandlungen mit der Kommune waren auch nicht einfach, aber so sperrig gegen Notwendigkeiten wie sich die Arbeitgeber der Tarifgemeinschaft der Länder zeigen, ist schon ein Hammer.“ Jetzt will er erst einmal alle Papiere genau studieren. „Wir sind hinsichtlich der Änderung der Entgeltordnung nur in wenigen Berufsgruppen in den vollen Umfang gekommen wie bei der VKA. Aber manche können sicherlich wegen dem Lohnzuwachs jubeln.“

    Eine Aufwertung erfahren vor allem die Pflegekräfte und auch die Beschäftigten in den Sozial- und Erziehungsdiensten, die ab dem 1. Januar 2020 in die bessere Entgelttabelle der Kommunen wechseln und oben drauf die beschlossenen Entgelterhöhungen bekommen werden. Das seien wichtige Entwicklungsschritte im öffentlichen Dienst, sagte Frank Bsirske vor der Presse: „Damit haben wir die Attraktivität des öffentlichen Dienstes für Fachkräfte und Berufseinsteiger nachhaltig verbessern können. Das ist ein Erfolg für beide: Gewerkschaften und Arbeitgeber.“  

    Flugblatt Tarifeinigung Tarifrunde TdL 2019 erzielt ver.di Flugblatt Tarifeinigung erzielt
    Flugblatt Krankenhäuser Tarifeinigung TdL 2019 ver.di Flugblatt Krankenhäuser
    Flugblatt Jugend zum Verhandlungsergebnis TdL 2019 ver.di-Jugend Flugblatt Jugend
    Flugblatt Beamt*innen ver.di Flugblatt Beamt*innen

     
     
    Statement von Frank Bsirske zum Tarifergebnis

     
    Jetzt sind die Mitglieder gefragt

    Nach ausführlicher Beratung hat die ver.di- Bundestarifkommission für den öffentlichen Dienst beschlossen, die Annahme des Verhandlungs- ergebnisses durch eine Mitgliederbefragung zu empfehlen.

    Somit werden die ver.di-Mitglieder in den nächsten Wochen die Möglichkeit haben, das Tarifergebnis, das nur durch massive Warnstreiks erzielt werden konnte, zu beurteilen und ihr Votum dazu abzugeben.

    ver.di führt damit eine gute demokratische Tradition fort.

     
    Pressemitteilung ver.di Bundesvorstand

    Abschluss bei Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder: Deutlich mehr Geld für untere und mittlere Lohngruppen, Pflegekräfte und Einsteiger / Bsirske: Bestes Ergebnis seit vielen Jahren

    02.03.2019

    In der Tarif- und Besoldungsrunde für die über eine Million Beschäftigten der Bundesländer (ohne Hessen) haben sich Gewerkschaften und Arbeitgeber am Samstag in Potsdam auf ein umfassendes Gesamtpaket aus prozentualen Anhebungen und strukturellen Verbesserungen verständigt. Die Einigung sieht eine Anhebung der Gehälter im Gesamtvolumen von 8 Prozent, mindestens 240 Euro, mit einer Laufzeit von 33 Monaten vor. „Das ist das beste Ergebnis seit vielen Jahren und ein guter Tag für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes“, sagte der Vorsitzende des Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), Frank Bsirske.

    Die Einigung sei zugleich „eine positive Nachricht für alle Bürgerinnen und Bürger, die auf gute öffentliche Dienstleistungen angewiesen sind“, sagte Bsirske. So bringe der Abschuss einen Gehaltssprung von mehreren hundert Euro für Pflegekräfte und deutlich bessere Löhne für Erzieherinnen und Erzieher, Lehrkräfte an Schulen sowie für Polizei und Rettungskräfte. „Damit haben wir die Attraktivität des öffentlichen Dienstes für Fachkräfte und Berufseinsteiger nachhaltig verbessern können. Das ist ein Erfolg für beide: Gewerkschaften und Arbeitgeber.“

    Im Einzelnen sollen die Gehälter im Gesamtvolumen rückwirkend zum 1. Januar 2019 um 3,2 Prozent, mindestens aber um 100 Euro, angehoben werden. Ein weiterer Anhebungsschritt um 3,2 Prozent (mindestens 90 Euro) erfolgt zum 1. Januar 2020 und um 1,4 Prozent (mindestens 50 Euro) zum 1. Januar 2021. Pflegekräfte erhalten darüber hinaus zusätzlich 120 Euro monatlich. Auszubildende bekommen zum 1. Januar 2019 und zum 1. Januar 2020 jeweils 50 Euro mehr.

    Darüber hinaus soll eine Aufwertung der Einstiegsgehälter (Stufe 1 der Entgelttabelle) in allen 15 Entgeltgruppen die Arbeit im Landesdienst für Neueinsteiger attraktiver machen. Diese Aufwertung beträgt im Volumen rund 11 Prozent und erfolgt in zwei Schritten zum 1. Januar 2020 sowie zum 1. Oktober 2020. „Davon profitieren insbesondere die unteren und mittleren Lohngruppen“, erläuterte Bsirske.

    ver.di fordert von den Bundesländern die zeit- und inhaltsgleiche Übertragung des Ergebnisses auf die Beamtinnen und Beamten sowie die Versorgungsempfängerinnen und Versorgungsempfänger.