Tarifrunde ÖD 2018

    Erste Verhandlungsrunde öffentlicher Dienst ohne Ergebnis

    Erste Verhandlungsrunde öffentlicher Dienst ohne Ergebnis

    Verhandlungsauftakt in Potsdam

    „Ich bin Alzheimer-Telefonist: Ich vergesse die Anrufer, die mich nicht“, sagt Sven Kowalski von der Minijob-Zentrale Cottbus. Bis auf 1.200 Telefonate komme er im Monat, rechnet Susanne Feldkötter vor, als sie ihn stellvertretend für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst in der Kategorie Leben auszeichnet. „Welcher Teenager telefoniert so viel?, fragt sie, um mal mit einem anderen Bild zu verdeutlichen, dass nicht nur Feuerwehrleute und Pflegekräfte, sondern alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst, auch die in Verwaltungen, bei den Sparkassen oder eben Sven oft unter immensen Druck arbeiten.

    Es ist der 26. Februar, 10 Uhr 30, eiskalt, und vor dem Kongresshotel in Potsdam haben sich rund 150 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes trotz der Minusgrade versammelt, um die Verhandlungsführer für die erste Tarifrunde bei Bund und Kommunen lautstark zu empfangen. „Sechs Prozent, sechs Prozent, sechs Prozent“, rufen sie. Und: „200 Euro, 200 Euro, 200 Euro.“ Womit die entscheidenden Forderungen benannt sind: 6 Prozent für alle oder mindestens 200 Euro.

    „Guten Morgen, liebe Kolleginnen und Kollegen“, begrüßen die angereisten Beschäftigten der Polizei die ver.dianer in ihren weißen Aktionswesten, auf den zu lesen ist: „Wir sind es wert.“ Gleich anschließend begrüßen die Polizisten den gerade an sie herangetretenen Verhandlungsführer für den Bund, Innenstaatssekretär Hans-Georg Engelke, der den scheidenden Innenminister Thomas de Maizière, CDU, vertritt, und geben ihm mit auf den Weg: „Wir sind das Fundament, Zeit dass ihr’s erkennt.“

    Bombastisches Ergebnis, dämliche Kommentare

    Thomas Böhle, Präsident der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), hat sich zuvor schon unerkannt zu Fuß an den Demonstrierenden vorbei ins Kongresshotel begeben. Alle warten jetzt nur noch auf den ver.di-Vorsitzenden Frank Bsirske, der die Verhandlungen für die Beschäftigten führt. Möglicherweise zum letzten Mal. „Es sei denn, wir setzen auch die zwölf Monate Laufzeit durch, dann ist er im kommenden Jahr nochmal dabei“, sagt Anna Dethlefsen, 29 Jahre alt und Verwaltungsfachwirtin aus Köln.
    Vor zwei Jahren, nach der dritten Verhandlungsrunde, die für Anna mit einem „bombastischen Ergebnis“ endete, hatten sie eine eigene Facebook-Seite eingerichtet, für die sie mit verantwortlich war: „Das war eine Katastrophe. Dämliche Kommentare, faktisch falsch, und du musst das alles beantworten oder bearbeiten.“ Es seien weder „frustrierende Erlebnisse“ hier mitzumachen noch eine „unbeherzte Gewerkschaftsführung“, die für schlechte Ergebnisse und Mitgliederschwund verantwortlich sei, wie es jetzt schon vor Beginn der diesjährigen Verhandlungen auf der ver.di-Facebook-Seite kommentiert wird, sagt Anna. „Frustrierend ist, dass 90 Prozent nicht mit rausgehen.“

    „Das ökonomische Umfeld ist in diesem Jahr so gut wie noch nie. Es sind günstigere Rahmenbedingungen als wir sie in den letzten 20 Jahren jemals gehabt haben. An diesem Erlebnis wollen wir teilhaben.“

    Frank Bsirske, ver.di-Vorsitzender

    Bedingungen so gut wie noch nie

    Um 13 Uhr 15 trifft Frank Bsirske ein. Die Beschäftigten haben sich nach Stunden in der Kälte und heißer Soljanka ins Foyer des Tagungshotels zurückgezogen, wo sie ihn mit Pfeifen und Tröten begrüßen. Er sagt ihnen, dass er nicht den geringsten Grund sehe, sich bei den Forderungen auch nur einen Deut zurückzunehmen. „Das ökonomische Umfeld ist in diesem Jahr so gut wie noch nie. Es sind günstigere Rahmenbedingungen als wir sie in den letzten 20 Jahren jemals gehabt haben.“ Die Wirtschaft rede von goldenen Zeiten. „An diesem Erlebnis wollen wir teilhaben“, sagt er.

    Drei Stunden später geht die erste Verhandlungsrunde zu Ende. Erwartungsgemäß liegen die Vorstellungen noch weit auseinander, ein konkretes Angebot der Arbeitgeber gibt es nicht. Für März kündigt die Gewerkschaft Warnstreiks an. Die Friedenspflicht endet am 28. Februar 2018. Anna wird in ihrer Dienststelle viele Kolleginnen und Kollegen fragen: „Warum sitzt ihr da?“ Und auch Salome Voigt, 22 Jahre und Kundenberaterin bei der Sparkasse im Burgenland, die wie Sven Kowalski stellvertretend für alle in der Kategorie Vertrauen geehrt wurde, hat ihre Parole parat: „Einfach was machen und kämpfen.“ Kommt am Ende mehr bei raus.

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    Tarifinfo 02 der ver.di-Jugend zur Tarifrunde ÖD 2018 ver.di-Jugend Tarifinfo 02 der ver.di-Jugend zur Tarifrunde ÖD 2018

    Pressemitteilung ver.di Bundesvorstand

    Erste Verhandlungsrunde öffentlicher Dienst ohne Ergebnis - ver.di kündigt Warnstreiks an

    26.02.2018

    Die erste Verhandlungsrunde für die rund 2,3 Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes bei Bund und Kommunen ist am Montag (26. Februar 2018) ohne Ergebnis zu Ende gegangen.

    „Wir wollen kräftige Lohnerhöhungen durchsetzen: Die Wirtschaft spricht von „goldenen Zeiten“ und die öffentlichen Kassen erleben sprudelnde Steuereinnahmen. Daran müssen auch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer teilhaben, und nicht nur die Aktionäre“, forderte Frank Bsirske, Vorsitzender der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di). Für März kündigte die Gewerkschaft Warnstreiks an. Die Friedenspflicht endet am 28. Februar 2018.

    Angesichts einer starken Konkurrenz um Fachkräfte müsse mehr getan werden für die Attraktivität des öffentlichen Dienstes, so Bsirske. „Gute Arbeit muss gut entlohnt werden, wenn der öffentliche Dienst bei der Werbung um gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Wirtschaft mithalten will. Das wird nicht gelingen, wenn der öffentliche Dienst bei der Tariflohnentwicklung hinter andere Branchen zurückfällt.“ Der ver.di-Verhandlungsführer wies darauf hin, dass sich die Tarifparteien in der ersten Runde ausgetauscht, aber nicht angenähert hätten. „Bund und Kommunen profitieren stark vom Konjunkturboom, die Steuereinnahmen sprudeln, es ist also reichlich Geld vorhanden, um die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes angemessen für ihre gute Arbeit zu bezahlen“, so Bsirske.

    ver.di fordert für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes bei Bund und Kommunen sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt, mindestens aber 200 Euro pro Monat. Gleichzeitig sollen die Ausbildungsvergütungen und Praktikantenentgelte um 100 Euro pro Monat angehoben werden. Die Vorschrift, Auszubildende nach erfolgreich abgeschlos-sener Ausbildung zu übernehmen, will ver.di wieder in Kraft setzen. Die Laufzeit des Tarifvertrages soll 12 Monate betragen. Der Bund wird aufgefordert, das Verhandlungsergebnis zeit- und wirkungsgleich auf die 344.000 Beamtinnen und Beamten, Richterinnen und Richter, Soldatinnen und Soldaten sowie 182.000 Versorgungsempfängerinnen und -empfänger zu übertragen.

     
     
    Hinweis für die Redaktionen
    Termine der bereits vereinbarten Verhandlungsrunden:

    • 12./13. März 2018 in Potsdam
    • 15./16. April 2018 in Potsdam