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    Krankenhausreform ignoriert dramatische Personalsituation

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    Krankenhausreform ignoriert dramatische Personalsituation

    Krankenhäuser

    Bundesweite Protestkette am 24. Juni 2015

    Nach Auffassung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) bietet der am heutigen Mittwoch im Kabinett vorgelegte Gesetzentwurf für ein Krankenhausstrukturgesetz keine Lösung für den dramatischen Personalmangel im Krankenhaus. "Mit einem Kleinstförderprogramm lassen sich die aufgestauten Probleme nicht lösen", sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler in Berlin. Der Gesetzgeber wolle mehr Qualität sicherstellen. Doch gute Qualität brauche genug Personal. Dieser Zusammenhang werde im Gesetzentwurf vollständig ignoriert. "Niemand kann sich herausreden, er kenne die dramatischen Auswirkungen der Personalnot für Patienten nicht. Wenn die Bundesregierung das Problem nicht wirkungsvoll angeht, nimmt sie billigend die Gefährdung von Menschen in Kauf."

    Das von der Bundesregierung aufgelegte Pflegeförderprogramm verdiene seinen Namen nicht, sagte Bühler. In drei Schritten sollen demnach bis zum Jahr 2018 maximal 7.000 neue Stellen für die Pflege am Bett geschaffen werden. Nach Berechnungen von ver.di werden aber mindestens 70.000 Neueinstellungen allein in dieser Berufsgruppe gebraucht. Insgesamt bestehe ein Fehlbestand von 162.000 Beschäftigten, um eine gute und sichere Krankenversorgung zu leisten.

    Damit fehlt in den Krankenhäusern jede sechste Angestellte. Weil der Mangel seit Jahren ausgesessen wird, sind nach Angaben von ver.di zwischenzeitlich mindestens acht Mrd. Euro notwendig, um die erforderlichen Stellen zu schaffen. Die Bundesregierung will jedoch nur 660 Mio. Euro im Rahmen des Pflegeförderprogramms zur Verfügung stellen - alle anderen Berufsgruppen gehen leer aus. Zudem verstärke die unzureichende Verpflichtung der Länder zur Finanzierung der Investitionen die Personalprobleme. Entgegen der Gesetzeslage finanzieren Krankenhäuser rund vier Mrd. Euro jährlich für die notwendigsten Investitionen aus ihren Betriebsmitteln. Das sind hauptsächlich Gelder, die dann beim Personal eingespart werden. Auch hier zeigt der Gesetzentwurf keine Lösung auf.

    "Bei den Beschäftigten herrscht blankes Unverständnis über die Ignoranz der Bundesregierung. Der Gesetzentwurf muss dringend nachgebessert werden", sagte Bühler weiter. Arbeitsüberlastung und Gefährdung der Patientensicherheit seien zwar bekannt, aber die Regierung übe sich im Nichtstun.

    Deshalb will ver.di am 24. Juni 2015, dem Tag der Gesundheitsministerkonferenz, mit einer Protestkette vom Nordseestrand bis in die bayerischen Berge, von Görlitz bis Saarbrücken  den Personalmangel in den Krankenhäusern sichtbar machen. Um die Mittagszeit halten Beschäftigte vor den Kliniken Schilder mit den Zahlen von Eins bis 162.000 hoch und dokumentieren damit öffentlich den Fehlbedarf. "Eine solch breit getragene Aktion hat es bisher im Gesundheitswesen noch nicht gegeben", stellte Bühler fest.

    ver.di will eine gesetzliche Regelung der Personalausstattung in den Krankenhäusern, die auch eine ausreichende Finanzierung vorsieht. Es müsse gesichert werden, dass die dafür zur Verfügung gestellten Mittel auch beim Personal ankommen und nicht an anderer Stelle verwendet werden. Bundes- und Landespolitiker seien gefordert jetzt tragfähige Lösungen im Gesetz vorzusehen.