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    Aufwertung sozialer Berufe – nächste Etappe

    Sozial- und Erziehungsdienst

    Aufwertung sozialer Berufe – nächste Etappe

    Soziale Berufe aufwerten

    Richtig gut. Aufwerten jetzt! Unter diesem Motto startet ver.di eine Kampagne zur Besserstellung sozialer Berufe. Denn: Die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst haben mehr verdient – mehr Anerkennung und mehr Geld.

    „Dies ist die nächste Etappe zur Aufwertung sozialer Dienste“, erklärte der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske am 14. November auf der „Kasseler Konferenz“. Die Tagung – zu der alljährlich Beschäftigte aus Erziehungs- und Sozialeinrichtungen sowohl der Kommunen als auch der Wohlfahrtsverbände zusammenkommen – war der Startschuss für eine große Tarifbewegung. ver.di hat die Regelungen zur Eingruppierung in der Branche gekündigt und will flächendeckende Verbesserungen durchsetzen. Ohne einen Arbeitskampf wird das kaum gelingen.

    Bsirske verwies auf den erfolgreichen Streik vor fünf Jahren. 2009 hatten Erzieherinnen und Sozialarbeiter über zwölf Wochen lang immer wieder die Arbeit niedergelegt, um eine bessere Bezahlung und Maßnahmen zum Gesundheitsschutz durchzusetzen. „Das war der größte und längste Streik während der Finanzmarktkrise“, erinnerte Bsirske. Die Resonanz in Medien und Politik war seinerzeit ausgesprochen positiv. Am Ende standen deutliche Fortschritte, allerdings vor allem für jüngere Beschäftigte.

    Seither hat sich einiges getan. Der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz führte zu einem massiven Ausbau der Kapazitäten. Zwischen 2008 und 2014 stieg die Zahl der Betreuungskräfte in Kitas um 38 Prozent – fast viermal so stark wie die Gesamtbeschäftigung. Allerdings ist die typische Frauenbranche nach wie vor dominiert von – vielfach unfreiwilliger – Teilzeitarbeit: Mehr als 60 Prozent der über 500.000 Beschäftigten arbeiten in Teilzeit. In manchen Bundesländern, wie in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen, gilt das sogar für bis zu Dreiviertel. „Das ist ein eingebauter Zwang zu Zweit- und Drittjobs“, kritisierte Bsirske.

    "Alle sollen von der Aufwertung profitieren. Nicht nur Erzieherinnen in Kitas, sondern auch Jugendsozialarbeiter, Sozialpädagogen, Beschäftigte in der Behindertenhilfe und andere."

    Sylvia Bühler

    ver.di strebt deshalb eine „solidarische Aufwertung“ an. Von dieser sollen alle profitieren – nicht nur Erzieherinnen in Kitas, sondern auch Jugendsozialarbeiter, Sozialpädagogen, Beschäftigte in der Behindertenhilfe und andere. „Die Wohlfahrtsverbände müssen bei der Aufwertung mitgehen“, forderte Sylvia Bühler, Leiterin des ver.di-Fachbereichs Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen. Wenn Verbesserungen auf kommunale Einrichtungen beschränkt blieben, könnten diese auf die billigere Konkurrenz der freien Träger verweisen. „Wir müssen uns gegenseitig unterstützen und stärken“, betonte Bühler.

    „Der Sonntagsreden sind genug“, sagte die Gewerkschafterin an die Adresse der Arbeitgeber. „Wir wollen nicht nur warme Worte, sondern tatsächlich mehr Geld.“ Dies zu erreichen, werde nur mit einer harten Auseinandersetzung gelingen. „Allein auf dem Verhandlungswege werden wir sicher nicht zur geforderten Aufwertung kommen.“

    Frank Bsirske teilte diese Einschätzung. Die Aktionsfähigkeit der Belegschaften müsse systematisch entwickelt werden – noch über das Niveau von 2009 hinaus. Der ver.di-Vorsitzende hob die strategische Bedeutung des Konflikts für die gesamte Gewerkschaft hervor. „Die Organisation wird diese Auseinandersetzung daher mit aller Kraft führen“, kündigte er an. Über die konkreten Forderungen wird die Bundestarifkommission am 18. Dezember beschließen. Die Verhandlungen werden voraussichtlich im Januar beginnen.

    Aufwerten jetzt!

    Aufwerten jetzt!
    Foto/Grafik: ver.di