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    Fachbereichszeitung drei.53 (2015)
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    Pflege-Azubis machen Ausbildungsbedingungen im Stuttgarter Landtag zum Thema.

    So viele junge Menschen waren schon lange nicht mehr im Stuttgarter Landtag. Die 300 Sitze im Plenarsaal waren bis auf den letzten Platz gefüllt. »Wir hätten auch 600 reinlassen können, aber das durften wir nicht«, sagte SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel. Die Sozialdemokraten hatten am 7. Januar 2015 zum »Tag der Auszubildenden in der Pflege« eingeladen. Zuvor hatten rund 50 Altenpflege-Azubis im Dezember vor der Enquetekommission Pflege eine Verbesserung ihrer Ausbildungsbedingungen eingefordert, doch das Gremium lehnte es ab, die Jugendlichen anzuhören.

    Dieses mal fanden sie Gehör. Lea Stark von der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) der Uniklinik Heidelberg kritisierte die unzureichende Ausstattung der Krankenhäuser und Pflegeheime. Diese stellten Azubis oft vor ein Dilemma. »Zum Beispiel ist es in der Altenpflege nicht unüblich, dass Auszubildende Schichtleitungen übernehmen. Und in Heidelberg standen wir einmal plötzlich ganz allein auf Station und mussten 40 Patienten managen – wer trägt dann die Verantwortung? « Die 22-Jährige appellierte an die Politik, nicht das Erreichen einer »Schwarzen Null« im Haushalt, sondern die optimale Patientenversorgung in den Vordergrund zu stellen.

    Der Stuttgarter Altenpflege-Azubi Stefan Saviano ergänzte: »Wir lernen sehr viel in der Schule über professionelle Pflege. Doch es ist krass, wenn man in die Praxis kommt – da ist man eine billige Arbeitskraft, die verheizt wird.« Das Gelernte tatsächlich umzusetzen, sei unter diesen Umständen kaum möglich. Die Praxisanleiter seien oft »selbst nur am rödeln« und hätten keine Zeit, den Jugendlichen zu helfen. »In Baden-Württemberg fehlen allein in der Altenpflege 20.000 Stellen und 1.500 Praxisanleiter«, rechnete Saviano vor. Das müsse sich ändern.

    Lea Stark forderte ebenfalls, die Attraktivität der Pflegeausbildung zu erhöhen. Dazu könne auch eine gesetzliche Personalbemessung beitragen. »Auch wir Auszubildenden würden von einer Personalbemessung profitieren, denn mehr Personal bedeutet nicht nur mehr Zeit für die Patienten, sondern auch Zeit für gute Ausbildung.«

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