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    Aufwerten und entlasten

    Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen

    Aufwerten und entlasten

    Fachbereichszeitung drei.55 (2015)
    drei.55 (2015) ver.di drei.55 (2015)  – Aufwerten und entlasten

    Was soll soziale Arbeit, die Arbeit an und mit Menschen, wert sein? Unter welchen Bedingungen findet sie statt? Um diese Fragen geht es bei den aktuellen Auseinander setzungen im Sozial- und Erziehungsdienst. Also letztlich um die Frage: In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?

    Immer noch wird die Arbeit mit Kindern und mit Behinderten, die Pflege alter und kranker Menschen, die Hilfe für Flüchtlinge niedriger bewertet als die Herstellung von Maschinen und Autos. Die Einkommensunterschiede sind enorm – bei gleicher Ausbildungsdauer. Wohlgemerkt: Die Arbeiter im Auto- und Maschinenbau verdienen nicht zu viel. Erzieherinnen, Sozialarbeiter und Pflegekräfte verdienen zu wenig.

    Es ist kein Zufall, dass gerade diejenigen Berufe schlechter bezahlt sind, die als typische Frauentätigkeiten gelten. Immer noch existiert das Bild von ehrenamtlicher, karitativer Arbeit und vom »ergänzenden Familieneinkommen « in den Hinterköpfen. Doch die Realität ist längst eine andere. Frauen und Männer im Sozial- und Erziehungsdienst sind hoch qualifiziert und professionell. Ihre Arbeit ist mehr wert. 

    ver.di hat sich vorgenommen, dieses Problem anzugehen. Den Anfang macht der Sozial- und Erziehungsdienst. Doch den vierwöchigen Dauerstreik in Kitas und Sozialeinrichtungen haben die Arbeitgeber einfach ausgesessen. Auf Kosten der Betreuten, der Kinder und ihrer Eltern. Doch die Beschäftigten geben nicht auf. Sie bleiben bei ihrer Forderung: Sozial- und Erziehungsarbeit muss aufgewertet werden – und zwar jetzt. Gleiches gilt für die Pflege alter und kranker Menschen.

    Diese Auseinandersetzung ist eng verknüpft mit der Forderung nach Entlastung. In Kitas und Sozialeinrichtungen, in Krankenhäusern und Altenheimen fehlt Personal. Das geht auf Kosten der Versorgungsqualität und der Beschäftigtengesundheit. Es ist im Interesse aller, diese Zustände zu beenden.

    Mehr Personal im Krankenhaus
    Auch hier hat ver.di den Anfang gemacht. Mit der Kampagne für mehr Personal im Krankenhaus haben wir die Öffentlichkeit wachgerüttelt. Die Politik hat reagiert – aber völlig unzureichend. Das geplante Pflegeförderprogramm ist weniger als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Deshalb bleibt ver.di dran und macht weiter Druck. Aktuell mit einer Petition, die den Deutschen Bundestag zur Einführung einer gesetzlichen Personalbemessung auffordert. Sie kann noch bis zum 12. Oktober unterzeichnet werden (siehe unten).

    All das sind schwierige und langwierige Auseinandersetzungen. Doch Erfolge sind möglich. Das zeigt das Beispiel Charité: Mit einem elftägigen Streik haben die Beschäftigten des Berliner Uniklinikums im Juni Eckpunkte für einen Tarifvertrag erstritten, der personelle Mindestbesetzungen festschreibt. Damit werden nicht auf einen Schlag alle Probleme gelöst. Aber ein Anfang ist gemacht.


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