Nachrichten

    Bundesweite Bewegung für mehr Personal in Krankenhäusern

    Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen

    Bundesweite Bewegung für mehr Personal in Krankenhäusern

    Krankenhäuser
    Bundesweite Bewegung für mehr Personal in Krankenhäusern ver.di Bundesweite Bewegung für mehr Personal in Krankenhäusern

    Überwältigende Protestaktion
    Alle waren bei der größten Krankenhaus-Aktion am 24. Juni 2015 dabei: der Krankenpfleger neben der Ärztin, die Verwaltungsangestellte neben dem Servicepersonal, vom Helios-Klinikum Schleswig bis zum Klinikum Saarbrücken. An mehr als 1.300 Kliniken haben bundesweit Krankenhausbeschäftigte für mehr Personal demonstriert. 162.000 Stellen fehlen an Krankenhäusern, allein 70.000 davon in der Pflege, die dringend nötig sind, um eine gute Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherzustellen. »Es muss aufhören, dass Beschäftigte selbst krank werden, weil sie für andere da sind«, rief Sylvia Bühler vom ver.di-Bundesvorstand am gleichen Tag bei der Demonstration in Bad Dürkheim Bundesgesundheitsminister Gröhe (CDU) zu. Die Politik muss endlich verbindliche Vorgaben für ausreichend Personal machen.

    Druck kommt an
    Unsere Aktionen zeigen Wirkung: Noch in Bad Dürkheim hat Bundesgesundheitsminister Gröhe zugesagt, eine Expertenkommission zur Personalsituation einzusetzen. Und zwar noch vor Inkrafttreten des Gesetzes zur Krankenhausreform. Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz der Länder, Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) aus Rheinland-Pfalz, hat angekündigt, dass beim Personal noch nachgelegt werde. Der Bundesrat hat auf Antrag der SPDregierten Bundesländer die Verdopplung des Pflegeförderprogramms beschlossen. Und selbst der Bundesverband Deutscher Privatkliniken räumt inzwischen ein, dass es einen erheblichen wirtschaftlichen Druck in Krankenhäusern gibt, der vor allem die Pflege getroffen hat.

    Gut. Aber nicht genug.
    Die Protestaktionen haben wachgerüttelt. Die Politik weiß von der gefährlichen Personalsituation in den Krankenhäusern. Aber noch immer fehlen verbindliche gesetzliche Vorgaben für mehr Personal. Am meisten blockiert die CDU. Die Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Annette Widmann-Mauz, tut sich mit einer besonders empörenden Realitätsverweigerung hervor: Sie will von mehr Geld für Personal nichts wissen.

    Schon heute könnten Stellen mangels Pflegepersonal nicht besetzt werden. Wer wie sie den gravierenden Personalmangel fortführt, nimmt die Gefährdung von Patientinnen und Patienten wissend in Kauf. Denn Qualität kann es nur mit genügend Personal geben. Wenn es die Bundesregierung ernst meint mit einer an Qualität ausgerichteten Krankenhausreform, muss sie den Gesetzentwurf im Bundestag noch deutlich nachbessern.

    Die 162.000 fehlenden Stellen zu finanzieren, würde 8 Mrd. Euro kosten. Nicht viel im Vergleich zu anderen Ausgaben, die von der Politik klaglos hingenommen werden. Beispiel elektronische Gesundheitskarte: Für die waren ursprünglich 1,6 Mrd. Euro geplant, inzwischen werden die Kosten der Einführung auf bis zu 14,1 Mrd. Euro beziffert. Geld ist genug da, es muss nur endlich richtig eingesetzt werden: Für die Sicherheit der Patientinnen und Patienten und für
    gute Arbeit.

    Es muss etwas passieren!
    Damit Arbeiten im Gesundheitswesen wieder zufrieden macht und Patientinnen und Patienten sicher und gut versorgt werden können, fordert ver.di:

    • Eine gesetzliche Personalbemessung – jetzt!
    • Keine weitere Personalverknappung. Die Einnahmen der Krankenhäuser müssen auch beim Personal ankommen.
    • Die Expertenkommission braucht einen konkreten Auftrag für eine bedarfsgerechte Personalbemessung über die Pflege hinaus für alle Berufsgruppen.
    • Gesetzliche Pausen und Vorschriften zum Gesundheitsschutz sind einzuhalten.
    • Schichten nachts, an Wochenenden und Feiertagen sind mit mindestens zwei Pflegefachpersonen zu besetzen. In Bereichen mit mehr als 30 Patientinnen und Patienten werden entsprechend mehr gebraucht.
    • Standards der Fachgesellschaften, z.B. für Intensivstationen, müssen eingehalten werden.
    • Krankenhäuser müssen kontinuierlich und transparent über ihre Personalausstattung berichten.
    • Die Bundesländer müssen wieder für eine ausreichende Investitionsförderung sorgen.

    Wir machen weiter!
    Wir können und wollen nicht länger warten. Alle im Krankenhaus machen ihre Arbeit gerne. Alle wollen gute Arbeit leisten – ohne schlechtes Gewissen und Gefährdung ihrer Gesundheit.

    Die Bewegung wird immer größer.
    Die Auseinandersetzung um genügend Personal geht weiter.

    Wir wollen eine gesetzliche Personalbemessung – jetzt!
    www.der-druck-muss-raus.de