Nachrichten

    Ausweitung der Betreuungszeiten: Pure Utopie abseits der Realität

    Gemeinden

    Ausweitung der Betreuungszeiten: Pure Utopie abseits der Realität

    „Die Bedingungen für eine Ausweitung der Betreuungszeiten in den Tageseinrichtungen für Kinder der Stadt Wuppertal sind schlicht nicht gegeben. Wer das fordert, sollte sich vielleicht erst mal mit den Problemen des Alltags beschäftigen und diese lösen, statt Luftschlösser zu malen“, weist Lisa Isabell Wiese, Gewerkschaftssekretärin im Fachbereich Gemeinden des ver.di Bezirks Wuppertal-Niederberg, eine Forderung der Ratsfraktion der Wuppertaler Grünen zurück.

    Diese hatte gefordert, im Rahmen eines Pilotprojektes die Ausweitung der Betreuungszeiten in fünf ausgewählten Kitas von 7 Uhr bis 18 Uhr zu erproben, um dem Bedarf nach modernen Betreuungszeiten nachzukommen. Die Gewerkschaft ver.di fordert hingegen, dass Tageseinrichtungen für Kinder eine verbindliche Mindestpersonalbemessung orientiert an den Empfehlungen der OECD erhalten. In der momentanen Personalsituation im Stadtbetrieb Kindertagesstätten, insbesondere in Kombination mit der Eröffnung neuer Einrichtungen, ist schon dieser Standard nicht erfüllt. Eine Ausweitung der Betreuungszeiten würde diese Situation weiter verschärfen, wie aktuelle Erhebungen der Gewerkschaft belegen. „Auch wenn auf dem Papier die gesetzlichen Betreuungsschlüssel erfüllt werden, kommen die Kolleginnen und Kollegen durch massiven Personalmangel ständig in Situationen, in denen sie die Betreuung der Kinder nicht ausreichend verantworten können. Überlastungsanzeigen sind deshalb keine Seltenheit. Hält dieser Zustand an, ist das Wohl der Kinder und der Kolleginnen und Kollegen gefährdet.“, so Wiese weiter.

    Bei unter dreijährigen Kindern muss die Relation bei drei Kindern zu einer Fachkraft und bei über dreijährigen Kindern bei 7,5 zu 1 liegen. Nur so kann eine pädagogische Prozessqualität gewährleistet werden. „Die Personalplanung muss sich in erster Linie an den Bildungs- und Betreuungsbedarfen der Kinder orientieren. Die Stadtbetriebsleitung ist jetzt zwingend gefordert, durch Krankheitsfälle, Schwangerschaften oder Springerfunktionen bedingten Personalmangel durch mehr Personal auszugleichen.

     

    „Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist nicht mit der Verlängerung von Öffnungszeiten zu erreichen, sondern es ist Aufgabe der Arbeitgeber, dem Zeitgeist entsprechend, familienfreundliche Arbeitszeiten zu ermöglichen. Der Idee eines solchen Pilotprojekts, ja schon der Prüfung der Realisierbarkeit, stellen wir uns deshalb klar und deutlich ablehnend gegenüber“, so die Gewerkschaftssekretärin abschließend.