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    Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen

    ver.di-Tarifkommission berät Arbeitgeberangebot - Mehrere Blicke lohnen sich!

    Tarifrunde AWO NRW 2016/2017
    Tarifrunde AWO NRW 2016/2017 ver.di Tarifrunde AWO NRW 2016/2017

     
    Seit der zweiten Tarifverhandlung liegt der Tarifkommission das komplette Angebot vor. Auf den ersten Blick erscheint es attraktiv. Doch wie so oft, die Tücke liegt im Detail. Bekämen denn alle Beschäftigten mit dem Arbeitgebervorschlag sofort eine Erhöhung von 2,0 Prozent?

    Was soll in der Altenpflege passieren?
    Hier schlagen die Arbeitgeber vor, dass die Pflegefachkräfte (Entgeltgruppen Kr 7a und höher) ab dem 01.01.2017 auf die TVöD-Werte des Jahres 2016 erhöht werden.

    Berufsanfänger in der EG 7a bekämen durch den Wegfall der Stufe 1 sofort 265,00 € mehr. Einmalig ein großer Betrag, doch in den weiteren Stufen relativiert sich das stark. Ab Stufe 5, also bei den langjährig Beschäftigten, liegt die Steigerung bei unter 2 %. Gleiches spielt sich in der EG 8a ab. Jetzt könnte man das mit der Aussage abtun, dass es ja nur 10-12 € Differenz seien. Doch wie viele Neueinstellungen gibt es im Jahr und wie viele Kolleginnen sind seit vielen Jahren bei der AWO beschäftigt. Finanzieren letztere die Veränderungen?

    Wie sieht es im Kita-Bereich aus?

    Auch hier lohnen sich wieder mehrere Blicke. Wir begrüßen es, dass in der Kita nicht mehr zwischen Alt- & Neube-schäftigten unterschieden werden soll. Diesen Missstand wollen wir seit Jahren abschaffen. Die Zulagen für Erzieherinnen in der EG 6 sind nur ein kleines Pflaster, von Trost ist dabei keine Rede.

    Die Arbeitgeber wollen eine völlig neue Tabelle. Darin soll das gesamte pädagogische Personal einer Kita, von der Kinderpflegerin über Assistenzkräfte, die Erzieherin bis hin zur Kita-Leiterin und deren Stellvertreterin erfasst werden.

    Doch die Organisation einer Kita ist in NRW nicht überall gleich, sondern äußerst vielfältig. Ein Beispiel: So haben die Einen ständige stellvertretende Leiter*innen, andere haben sie bewusst abgeschafft. Die Organisation ist aber nicht Gegenstand von Tarifverhandlungen. Auch die zukünftige Eingruppierung der anderen Beschäftigten einer Kita wirft mehr Fragen auf, z. B. wie schwierige Tätigkeiten einer Erzieherin definiert werden. Damit gehen unter Umständen Vorschläge, wie die zukünftige Eingruppierung von stellvertretenden Leiterinnen oder Erzieherinnen mit schwierigen Tätigkeiten, ins Leere. Wo nichts ist oder nicht klar geregelt ist, gibt`s nichts.

    Auch für diesen Vorschlag gilt: Gewinner wären neueingestellte Erzieherinnen. Langjährige Erzieherinnen in der EG 8 bekämen nicht 2 % Erhöhung, sondern weniger.

    Wir brauchen eine neue Entgeltordnung, und zwar zügig!
    Wir wollen ein gerechtes Bezahlungssystem und nicht Ungerechtigkeiten zwischen den Berufsgruppen verschärfen. Das erfordert eine komplexe Herangehensweise, denn die AWO ist so gut durch die Arbeit all ihrer Beschäftigten. Schnellschüsse helfen uns nicht weiter.

    Die Vorschläge der Arbeitgeber bestätigen uns: Wir brauchen eine neue Entgeltordnung.

    Eine schnelle Besserstellung lediglich zweier Berufsgruppen schafft eventuell eine kurze Entspannung für Neueinstellungen, doch sie fördert Ungerechtigkeiten. Es reicht nicht aus, einzelne Bereiche zu bearbeiten. Erzieherinnen arbeiten nicht nur in der Kita, sondern auch z. B. in der OGS und in Behindertenwerkstätten.

    Darum schlägt die ver.di-Tarifkommission weiterhin eine kurze Laufzeit der Entgelttarifregelungen vor. Das bietet die Chance, sowohl die neue Entgeltordnung zu regeln als auch Übergangslösungen zu bedenken. Vorgriffe auf die Entgeltordnung kann es nicht geben, zu unseren weiteren Forderungen brauchen wir Antworten und Angebote.

    Die ver.di-Tarifkommission wird den Arbeitgebern in der dritten Runde der Tarifverhandlungen am 13.02.2017 einen konkreten Vorschlag machen. Das von den Arbeitgebern bisher angebotene Gesamtvolumen für die Tariferhöhungen bietet Verhandlungsmöglichkeiten. Ob daraus auch Einigungsmöglichkeiten werden, hängt von der Reaktion der Arbeit-
    geber ab.

    Wir fordern: Schluss mit der Befristungspraxis, freie Tage für ver.di-Mitglieder!