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    Notaufnahme: Gute Gesundheitsversorgung für Flüchtlinge geht nur mit genügend Personal!

    Fachbereichszeitung drei.57 (2016)
    drei.57 (2016) ver.di drei.57 (2016)  – Notaufnahme!

    Das Engagement für Flüchtlinge ist weiterhin beeindruckend – auch und gerade im Gesundheits- und Sozialwesen. In Krankenhäusern und Erstaufnahmeeinrichtungen sorgen Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte und andere Beschäftigte mit großem Einsatz dafür, dass Schutzsuchende die bestmögliche Gesundheitsversorgung erhalten. Etliche engagieren sich ehrenamtlich, übernehmen freiwillig Zusatzdienste und schieben Überstunden. Doch um die Herausforderung dauerhaft zu bewältigen, braucht es mehr Personal.

    Ein Brennpunkt sind die Notfallambulanzen einiger Krankenhäuser. So zum Beispiel am Universitätsklinikum Gießen, das fußläufig zu einer großen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge liegt. Offizielle Zahlen gibt es nicht, doch in der Notaufnahme ist seit einigen Monaten deutlich mehr los als ohnehin. Auch in anderen Bereichen wie der Gynäkologie ist die Arbeitsbelastung spürbar gestiegen.

    Großer Arbeitsdruck
    »Das Problem sind nicht die Flüchtlinge«, stellt Betriebsrat Helmut Knappe klar. »In der 2011 eröffneten Zentralen Notaufnahme gab es von Beginn an zu wenig Personal.« Erst als nach einigen Monaten offensichtlich wurde, dass die Stellen viel zu knapp bemessen waren, stellte das Management des privaten Betreibers Rhön AG zusätzliche Kräfte ein. Dennoch blieb die Situation angespannt. Nun kommt noch die Versorgung der Geflüchteten hinzu. »Angesichts des ohnehin großen Arbeitsdrucks verlangt das den Beschäftigten einiges ab«, sagt Helmut Knappe. »Die Kolleginnen und Kollegen setzen sich mit viel Herzblut dafür ein, trotz der Umstände eine gute Pflege und Behandlung aller Patientinnen und Patienten zu ermöglichen.«

    Das gilt auch für die Universitätsmedizin Mannheim. Zusätzlich zu den 100 bis 200 Fällen pro Tag kamen dort über Monate hinweg täglich bis zu 40 Flüchtlinge in die Notaufnahme. Teilweise sei die Notfallambulanz am Rande ihrer Arbeitsfähigkeit gewesen, berichtet deren Leiter Joachim Grüttner. »Wir mussten alles mit dem bestehenden Personal bewältigen.« Betriebsrat Bernd Gräf fordert, dass in solchen Fällen auch kurzfristig neue Kräfte eingestellt werden. »Die Personaldecke ist in allen Krankenhäusern und sämtlichen Bereichen so dünn, dass jede außergewöhnliche Belastung zum Kollaps führen kann.« Auch deshalb müsse dringend per Gesetz festgelegt werden, wie viele Beschäftigte stets vor Ort sind.

    Medizinisch sei die Behandlung der Flüchtlinge kein größeres Problem, betont Gerhard Schwarzkopf-Steinhauser, Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie am städtischen Klinikum München. Einige wenige hätten Krankheiten, die hierzulande eher selten sind, das sei aber zu bewältigen. Ein Problem sei hingegen, dass es wenige Dolmetscher gibt und das häusliche Umfeld fehlt. Letzteres führt dazu, dass Flüchtlinge in Sammelunterkünften zum Beispiel bei Ansteckungsgefahr länger stationär behandelt werden müssen als andere. Alle Kollegen empfänden die Arbeit mit Flüchtlingen als extrem positiv, sagt Gerhard Schwarzkopf-Steinhauser. »Das sind sehr, sehr dankbare Patienten.«


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