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    Schließung Galeria Kaufhof Am Wehrhahn – Wut und Trauer der Beschäftiten …

    Galeria Karstadt Kaufhof

    Schließung Galeria Kaufhof Am Wehrhahn – Wut und Trauer der Beschäftiten über das brutale Vorgehen des Eigners

    Am Samstagen 17. Oktober 2020, pünktlich um 12:00 Uhr, als der letzte Kunde abkassiert wurde, und der Schlüssel vom ehemaligen Galeria Kaufhof Am Wehrhahn in Düsseldorf ein letztes Mal gedreht wurde, waren alle Kolleginnen und Kollegen des Wehrhahn‘s, gekommen, um sich bei der Aktion gebührend zu verabschieden. Selbst die, die Frei oder Urlaub hatten, sowie bereits ausgeschiedene Kolleginnen und Kollegen, waren gekommen.

    Schließung Kaufhof Düsseldorf Am Wehrhahn am 17.10.2020 Miriam Jürgens Kaufhof Wehrhahn, 17.10.2020

    Auch die Kolleginnen und Kollegen der verbleibenden Filialen in Düssel-Rhein-Wupper sind gekommen um ihre Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen. Rund 150 Teilnehmende waren da. Wer mal im Wehrhahn einkaufen war, weiß oder spürte, das dort nicht nur eine Belegschaft anzutreffen gewesen ist, vielmehr war es eine familiäre Atmosphäre. Alle waren mit Herz bei den Kunden und „ihrem Wehrhahn“.

    1969 wurde der Kaufhof am Wehrhahn, der „neue Kaufhof“ genannt, mit 1.000 Beschäftigten eröffnet. Lange Zeit war er gerade durch die familiäre Atmosphäre in der Belegschaft und somit in der Luft des Warenhauses, ein erfolgreicher Standort. Die Kunden die man fragt, erzählen genau diese Geschichten. Doch seit Galeria Kaufhof 2015 von Metro an das kanadische Unternehmen HBC verkauft wurde, begann der Anfang vom Ende. Missmanagement, fehlende Kenntnis über den deutschen Einzelhandel, schleichender Personalabbau, und Mieterhöhungen der Eigentumsimmobilien, wie z.B. beim Wehrhahn, führten in die roten Zahlen. 2015 waren noch über 230 Beschäftigte im Wehrhahn und haben jeden Tag mit Freude ihr Bestes für das Warenhaus gegeben.

    Mit dem Verkauf an Signa (Eigentümer René Benko), welcher bereits Karstadt Eigentümer war, wurde das Missmanagement leider nicht abgelöst. Eine Funktionstrennung zwischen Verkaufstätigkeit, Kassentätigkeit und Warenservicetätigkeit, welche bei Karstadt bereits nicht erfolgreich war, wurde 2019 im Rahmen der „Restrukturierung“ 1 zu 1 auf den Kaufhof übertragen. Im selben Atemzug verloren bundesweit 5.500 Beschäftigte von Galeria Kaufhof ihren Arbeitsplatz, über 70 davon alleine am Wehrhahn. Zuletzt haben 116 Kolleginnen und Kollegen versucht mit den wenigen Menschen, unter ungünstigen Vorzeichen, mit unermüdlichem Engagement trotzdem alles für ihre Kunden zu tun.

    Mit dem shut-down wegen Corona, kündigte die Unternehmensleitung an, 80 Filialen bundesweit zu schließen. Darunter waren sowohl der Wehrhahn als auch der gegenüberliegende Karstadt einschließlich K-Feinkost, sowie Karstadt Sports. Gemeinsam haben die Beschäftigten mit ver.di und der Kommunalpolitik viele Wochen für den Erhalt ihrer Standorte, mindesten aber für die Weiterbeschäftigung der Kolleginnen und Kollegen gekämpft. Diesem Kampf ist es zu verdanken, dass heute nicht beide Warenhäuser geschlossen sind. Leider ist es, trotz diverser Bauvorhaben Benko‘s in Düsseldorf, nicht gelungen, den Wehrhahn, K-Sports oder die dortigen Beschäftigten zu retten. Auch für Karstadt handelt es sich nur um kurzeitige Ruhe, denn die Uhr tickt weiter. So soll in drei Jahren erneut gekuckt werden, ob und wie es weitergeht.

    Schließung Kaufhof Düsseldorf Am Wehrhahn am 17.10.2020 Miriam Jürgens Kaufhof Wehrhahn, 17.10.2020

    Neben unendlicher Trauer um „ihren Wehrhahn“, und den Verlust ihrer Arbeitsplätze, ein erheblicher Teil der Beschäftigten ist über 40-45 Berufsjahre bei Galeria Kaufhof am Wehrhahn gewesen, mischt sich berechtigte Wut.

    Wut, dass sie schon wieder die Fehler des Managements bezahlen sollen, Wut darüber, dass man derart mit ihnen umgeht und Wut, dass sich ein Multimilliardär 100 Millionen Euro Dividende aus Immobiliengeschäften auszahlen kann, aber kein Geld für die Beschäftigten von Galeria Karstadt Kaufhof hat.

    Menschen in Arbeitslosigkeit und folglich in massive Existenzängste zu schicken, scheint probates Mittel zur Kompensation unternehmerischen Versagens zu sein. Selbst für die Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft (BQG), war keine Bereitschaft zu einer höheren Finanzierung. Somit müssen die Kolleginnen und Kollegen, aus ihrer geringe Abfindungssumme von 2,5 Bruttomonatsentgelten (ist der Insolvenz geschuldet), grundsätzlich 1 Bruttogehalt in die BQG geben um diese zu finanzieren. Wer dann das Unternehmen verlässt ohne die BQG zu nutzen, erhält also 1,5 Bruttomonatsentgelte als Abfindung. Bei einer Verkäufer*in wären das ca. 3.000 €, auch nach über 40 Berufsjahren. Wer in die BQG wechselt, gibt alles in diese Gesellschaft und erhält nach den maximalen 6 Monaten BQG nichts mehr!

    Somit war es allerhöchste Zeit, sich ein letztes Mal, mit klarer Botschaft an den Eigentümer zu wenden.

    Schließung Kaufhof Düsseldorf Am Wehrhahn am 17.10.2020 Miriam Jürgens Kaufhof Wehrhahn, 17.10.2020
    Schließung Kaufhof Düsseldorf Am Wehrhahn am 17.10.2020 Miriam Jürgens Kaufhof Wehrhahn, 17.10.2020

    Der Düsseldorfer Künstler Jacques Tilly, der besonders durch seine jedes Jahr spektakulär guten Motowagen im Düsseldorfer Rosenmontagszug bekannt geworden ist, hat den Kolleginnen und Kollegen zu dem Zweck eigens einen René Benko gebaut, da es der echte Benko vorzieht bei solchen Gelegenheiten mit Abwesenheit zu glänzen.